Archiv der Kategorie: Lust

Untreue und Affären – ist Monogamie noch zeitgemäß?

In aktuellen wissenschaftlichen Studien geben beinahe 90% der Befragten an, Treue in Partnerschaft noch immer als einen essentiellen Wert zu verstehen. Doch ist Monogamie in aktuellen Zeiten – u.a. vor dem Hintergrund beständig hoher Zahlen an Außenbeziehungen und Affären wie auch einem florierenden kommerziellen Markt, der um dieses Phänomen herum entsteht, noch zeitgemäß?

Die aktuelle Ausgabe der ZEIT widmet sich diesem Thema von verschiedenen Seiten und stellt erkenntnisreiche Kontroversen in den Mittelpunkt.

 

Herausforderung Lebensmitte

Für viele Frauen und Männer sind die mittleren Lebensjahre eine Zeit veränderungsbedingter Herausforderungen. Durch die zunehmende Selbstständigkeit der Kinder sind Eltern und Paare wieder mehr auf sich fokussiert, ziehen Bilanz und müssen sich auf neue Lebensinhalte und -ziele ausrichten. Die Trennungs- und Scheidungswahrscheinlichkeit steigt in dieser Lebensphase deutlich an. Zudem erkranken und sterben in dieser Zeit vermehrt Menschen im nahen Umfeld. Schwierige Lebenssituationen treten somit im zunehmendem Alter komprimierter auf.
Hinzukommen körperliche und hormonelle Veränderungen. Insbesondere die Verschiebung der Sexualhormone bewirkt neben körperlichen auch psychische Beschwerden. Bei Frauen sind diese deutlich stärker als bei Männern ausgeprägt.

Aktuelle Untersuchungsergebnisse einer verhaltenstherapeutischen und -medizinischen Studie der Universität Zürich zeigen, dass es gerade in der Lebensmitte von Frauen oftmals zu Stimmungsschwankungen, Ängsten, despressiven Episoden und damit auch Selbstwerteinbußen kommen kann. Diese Veränderungen können mit Schlafstörungen und Hitzewallungen verbunden sein.
In Lebensphasen mit hormonellen Veränderungen haben Frauen insgesamt ein höheres Risiko an einer Depression zu erkranken. Gleichzeitig verdeutlicht die Studie, dass Frauen sehr unterschiedlich auf hormonelle Veränderungen reagieren und die Ausprägungen der genannten Symptome stark schwanken.
Bei Männern über dem vierzigsten Lebensjahr verändern sich die Sexualhormone insgesamt moderater und kontinuierlicher. Für sie sind psychosoziale Faktoren, aber auch Lust- und Erektionsstörungen entscheidender.

Die Forscherinnen Süss und Willi empfehlen ableitend aus ihren bisherigen Ergebnissen, sich bei anhaltenden Beschwerden möglichst frühzeitig Unterstützung zu organisieren. Zudem braucht es eine höhere Bewusstheit, auch von Betroffenen und Angehörigen, dass psychische Erkrankungen auch mit hormonellen Veränderungen zusammenhängen können. Statt beispielsweise Depressionen vorschnell mit Psychopharmaka zu behandeln, ist es oftmals sinnvoller in Therapien an die Lebenssituation angepasste Denk- und Verhaltensmuster (z.B. bei Schlafstörungen) zu entwickeln.

Nachfolgende Faktoren können insgesamt dabei unterstützen, die Herausforderungen der Lebensmitte erfolgreich zu bewältigen:

  • eine optimistische Grundhaltung (auch diese lässt sich in Therapien bis zu einem bestimmten Grad erlernen)
  • körperliche und stressausgleichende Aktivitäten
  • sich in der Sexualität stärker auf positive und momentane Möglichkeiten konzentrieren statt auf Vergleiche mit vorherigen Lebensphasen
  • sich selbst realistische und dem Alter entsprechende Ziele setzen

Anregungen zu diesem Blog aus UZH magazin 3/2019:
R. Nickl & Gull, T. (2019). Auf der Achterbahn (S. 52-57).

Weniger Sex – weniger Liebe. Oder umgekehrt?

Die Abnahme sexueller Aktivität von Paaren hängt nicht nur mit der Dauer des Zusammenlebens („Reizerosion“), hormonellen Veränderungen oder veränderten Lebensumständen zusammen. Sie liegt auch darin begründet, dass die Partner häufig jahrelang nur dem klassischen Ablauf – Vorspiel, Penetration und Orgasmus – folgen. Dabei liegt gerade im Bereich der Sexualität die Freiheit, diese immer wieder auch zu verändern – unabhängig davon, was in den Medien suggeriert wird. Diese Möglichkeit scheint jedoch deutlich weniger zu interessieren als die Frage „Wie viel Sex in Paarbeziehungen ist normal?“ Im Fokus vergleichender Prüfungen steht demnach häufiger die Quantität als die Qualität und Gestaltungsfreiheit von Sex.

Mit Vergleichen stellen Menschen Sicherheit und Orientierung für sich her. Dies ist völlig normal, kann aber dann zu einem Problem werden, wenn sie diese Vergleiche für sich als richtungsweisend auslegen, eigenen Intuitionen nicht mehr folgen und stattdessen unter „Leistungs- und Normailitätsdruck“ geraten, welcher auf sich auch auf den Partner und die Beziehung überträgt. So auch im Bereich der Sexualität.

In einer breit angelegten Studie mit mehr als 100.000 Paaren aus 24 Nationen kamen Forscher um das Team Northrup, Schwartz & Witte zu spannenden Befunden, was es für eine erfüllte Sexualität tatsächlich braucht.

Deutlichste Erkenntnisse: Mit Kritik und Schuldzuweisungen, ebenso Sextoys, Candlelightdinner und Reizwäsche lässt sich sexuelle Lust kaum und erst recht nicht dauerhaft anregen. Ebenso reicht es nicht aus, sich mehr Sex zu wünschen und dieses Vorhaben als Paar zu beteuern.

Das US-amerikanische Forscherteam konnte zeigen, dass es für eine dauerhaft befriedigende Sexualität stattdessen verschiedene Verhaltensweisen braucht, die dem Partner vor allem Respekt und Verbundenheit vermitteln. Dazu gehören neben anderen:

  • Aufmerksamkeiten, kleine Geschenke im Alltag
  • fortwährender Austausch über das, was in der Sexualität gemocht und abgelehnt wird
  • körperliche Nähe auch im Alltag (Alltagsberührungen)
  • eine gemeinsame Priorisierung von Sexualität und zeitlichem Investment dafür
  • gemeinsames Interesse aneinander – in Gesprächen frei von Medien, insbesondere dem smartphone

Paare in langjährigen Partnerschaften leben demnach nicht grundlos eine erfüllte Sexualität. Die tägliche Zuwendung wird häufig noch immer unterschätzt.

Die Studienergebnisse der Forschergruppe wurden unter dem Titel „The normal bar“ in Buchform veröffentlicht.

Was sexuelle Lust mit der Begrenzung von Arbeit zu tun hat

Gerade in Studien zum Thema Sexualität antworten Teilnehmer vielfach nicht aufrichtig, weshalb Forschungsbefunde ein verzerrtes Bild zeichnen können. Auffällig in Befragungen ist dennoch die deutlich zunehmende Lustlosigkeit in Paarbeziehungen. Erfahrungsgemäß nehmen Männer aus diesem Grund immer häufiger den Rat eines Paartherapeuten oder Sexualberaters in Anspruch.

Eine wesentliche Ursache dafür kann im zunehmenden „Performancedruck“ (siehe u.g. Artikel) liegen. Dem Druck, permanent unter Beweis stellen zu müssen, was man zu leisten in der Lage ist – gemessen u.a. an Arbeitsstunden, Einkommen und Karriereerfolg. Dauerhafter Druck ist weder gesundheits- noch zufriedenheitsfördernd. Entscheidend für eine stabile innere Zufriedenheit ist hingegen, wie sinnstiftend die eigene Tätigkeit erlebt wird und wie gut eine Abgrenzung von beruflichen Fragen nach Feierabend gelingt.
Was fehlende ruhige Momente – Mußestunden oder Langeweile – auch mit Lust auf Sexualität zu tun haben, beschreibt dieser Artikel ausführlicher. Interessant dazu die zahlreichen Kommentare, die ihn um wichtige Aspekte ergänzen.

Lebendigkeit in die „verkehrsberuhigte“ Partnerschaft bringen

Obwohl Sex ein großes Thema ist, wird sich in langjährigen Partnerschaften kaum noch oder gar nicht darüber ausgetauscht. Der versierte Sexualtherapeut Ulrich Clement aus Heidelberg hat in seinem neu aufgelegten Werk „Das indiskrete Fragebuch“ anregende Fragen zusammengestellt, die Paare ins Gespräch u.a. über Wünsche, Fantasien und Erfahrungen bringen. Schließlich ist Sexualität stets auch Kommunikation.
Ein bisschen Mut erfordert es den Partnern zunächst sicher ab, sich auf diese Weise einander anzuvertrauen, doch genau hierin liegen Reiz und Chance zu mehr Lebendigkeit in der partnerschaftlichen Sexualität. Sollte dieser Mut fehlen, kann dieses Buch auch für sich selbst genutzt werden.

In diesem Interview mit dem Deutschlandfunk berichtet der Experte für Paarberatung und Sexualtherapie mehr.

Lustlosigkeit? Mein aktueller Buchtipp.

Kaum gibt es irgendwo so zahlreiche Klischees wie in der Sexualität. Der ewig lustvolle Mann ist eines dieser stereotypen Vorurteile.
Männliche Unlust ist trotz deutlich zu verzeichnender Zunahme noch immer ein Tabu – für Mann und Frau. Viele Frauen in sexlosen Beziehungen erklären sich das sexuelle Desinteresse ihres Mannes mit der eigenen schwindenden sexuellen Anziehung, was oftmals zu starken Selbstzweifeln führt.
Dass die Wirklichkeit immer häufiger anders aussieht, zeigt die Autorin Weiner Davis in ihrem Buch „Lustlos. Was Frauen tun können, wenn er nicht mehr will.“  – mittlerweile in der fünften Auflage. Ziel der Autorin ist es, Frauen Mut zu machen, indem sie für das tabuisierte Thema sensibilisiert. Gleichzeitig erweitert Weiner Davis Ursachenerklärungen und zeigt Frauen praktische Wege auf, wie Nähe und Intimität wieder einen Platz in der Partnerschaft finden können.

Sex ist Kommunikation!

Sex ist die intimste Form von Kommunikation, die uns zur Verfügung steht.
Was Sex mit dem Wunsch nach Bestätigung, Leistungsansprüchen, „Porno-Kompetenz“, Seelenverwandtschaft, mit Begehren und Ablehnung zu tun hat, lesen Sie in diesem zeitlosen Artikel.

 

Worauf kommt es in gelingenden Partnerschaften an?

Warum verändern wir häufig unsere Einstellungen und Erwartungen im Verlauf einer Partnerschaft? Worum geht es Frauen in Beziehung genau? Wie lässt sich das Spannende und Leidenschaftliche auch über Jahre und Jahrzehnte in einer Paarbeziehung aufrecht erhalten? Wieso gelingt es auch in neuen Partnerschaften nicht, die eigenen Vorsätze umzusetzen? Warum ist Trennung häufig nicht die richtige Entscheidung? Was genau braucht es für eine dauerhaft zufriedene Partnerschaft?

Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe der Psychologie compact, u.a. in Interviews mit Experten aus Paarberatung, Paartherapie und Forschung.

Mein aktueller Buchtipp – für Paare, die ihrer Sexualität Schwung verleihen wollen

Damit im Verlauf einer Partnerschaft aus Lust nicht Frust wird, aus Leidenschaft nicht Langeweile braucht auch das Sexualleben Pflege und Aufmerksamkeit.
Statt eines Ratgebers zum Thema erfüllte Sexualität hat Ulrich Clement, Experte für Paarberatung und Sexualtherapie, ein indiskretes Fragebuch für Paare mit dem Titel „Think love“ verfasst.

Die Fragestellungen regen die eigene Kreativität an, machen Mut und nicht zuletzt auch Spaß. Die Unterscheidung des Autors zwischen Phantasien und Bedürfnissen eröffnet dabei neue und spannende Einblicke in die Sichtweisen des Partners und ist gleichzeitig entlastend. Weiterer willkommener Sideeffekt: Leser können sich selbst und ihre sexuellen Bedürfnisse (besser) kennenlernen und damit die Voraussetzung schaffen, diese auch zu leben. Denn nur wer seine eigenen Bedürfnisse und Gefühle ausdrückt, erhöht deutlich die Möglichkeit, das jene auch Berücksichtigung finden. Wer sich anfangs schwer damit tut, dem bietet dieses Buch auch Platz für schriftliche Antworten.

 

 

Mein Serientipp: Was ist wahr, was ist wirklich?

Viele Paare kennen das: Streiten darum, wie es denn nun genau war; wer wann was genau gesagt, getan oder auch nicht getan hat. Ein nicht enden wollender Schlagabtausch, der in unzufriedenen Partnerschaften meist in Eskalationen oder Rückzug mündet.

in der Paarberatung und -therapie erlebe ich fast täglich die Mühe der Partner, sich gegenseitig von der jeweils eigenen Wahrheit und damit der „Verteilung“ von Schuld und Recht überzeugen zu wollen.
Die Entscheidung, was wesentlich ist und was nicht, unterscheidet sich jedoch von Mensch zu Mensch – wie es bereits der Kommunikationswissenschaftler und Philosoph von Glasersfeld in seinen Veröffentlichungen zum „Konstruktivismus“ betonte. Wie wirklich also ist unsere Wirklichkeit? Wenn Wirklichkeit stets nur konstruiert ist, was ist dann real? Ist alles nur eine Frage der Perspektive?

Die Psycho-Thriller-Serie „The Affair“ greift genau diese Fragen auf und zeigt dem Zuschauer eindrücklich, wie schwierig sich die Differenzierung von wahr und unwahr gestaltet. Sie lässt damit noch einmal auf andere Weise erfahren, was viele selbst kennen und erleben.
Aufgrund des grossen Erfolgs wurde die Serie um eine dritte Staffel erweitert, welche voraussichtlich im November diesen Jahres erscheinen wird. In diesem Artikel lesen Sie mehr.