Archiv des Autors: Dr. Anke Birnbaum

Homeoffice und Familie – ohne „Lagerkoller“

Vielen Paaren, die in der aktuellen, ohnehin angespannten Situation auf die Arbeit aus dem Homeoffice angewiesen sind, geht es seit dem 16. März ähnlich: Bei der Zerreißprobe zwischen Job und Kindern, haben sie das Gefühl, beidem nicht gerecht werden zu können. Unzufriedenheit, zusätzlicher Stress und Konflikte scheinen damit vorprogrammiert.

Was Sie in erster Linie tun können, um zusätzlichen Stress für alle zu vermeiden:

Treffen Sie  – je nach Planbarkeit und anliegenden Terminen – entweder einmal pro Woche oder Tag für Tag  gemeinsam mit Ihrem Partner Absprachen für Zeiten, in denen ein Partner arbeitet und ein Partner für die Kinder da ist.
Diese Absprachen können innerhalb weniger Minuten – am besten zu einem regelmäßig stattfindenden Zeitpunkt getroffen werden (z.B. abends wenn die Kinder im Bett sind, morgens vor dem Wecken der Kinder bei einem gemeinsamen ersten Espresso oder sonntags nach dem Frühstück für die darauffolgende Woche).
Je nachdem, was Sie miteinander vereinbart haben, kann es von Vorteil sein, beispielsweise die „Vormittagsschicht“ mit der Zubereitung des Mittagessens und der Wäsche zu verbinden; die „Nachmittagsschicht“ mit dem Abendessen und dem Zubettbringen der Kinder.

Vor dem Wechsel der jeweiligen „Schichten“, könnten Sie zusammen mit den Kindern „eine kurze Runde um den Block“ gehen. Dies ermöglicht nicht nur, einen kurzen gemeinsamen Familienspaziergang, sondern markiert zusätzlich für alle Familienmitglieder einen Übergang und steigert die Konzentration für die nachfolgende Schreibtischarbeit.

Planen Sie innerhalb Ihrer jeweiligen Schichten, abhängig vom Alter Ihrer Kinder, auch Zeiten ein, in denen sie sich allein beschäftigen (lernen können).

Kleine Rituale oder Routinen schaffen auch und gerade in diesen ungewohnten Wochen, eine entlastende Struktur für alle. Auch wenn diese erst einmal etwas Einübungszeit brauchen, helfen sie, die Tage miteinander zu rhythmisieren und zu synchronisieren (u.a. gemeinsame Mahlzeiten; kleine gemeinsame Übergänge für die Kinder bevor sie die Aufgaben aus der Schule machen). Rituale stellen so Orientierung und Ruhe her – und dies nicht nur für die Kinder, wie oftmals irrtümlich geglaubt wird.

Um möglichst konzentriert arbeiten zu können, sorgen Sie dafür, dass die Tür zum Arbeitszimmer fest verschlossen ist. Auch wenn dies gerade bei kleineren Kindern anfangs noch ein Lernprozess ist, der vor allem in den ersten Tagen Ihre Konsequenz und Geduld braucht, ist damit eine Grenze zwischen Arbeits- und Familienzeit für alle sichtbar. Zusammen mit Ihren Kindern könnten Sie auch ein Schild malen oder bekleben, welches an die Tür gehängt wird, wenn ein Elternteil arbeiten muss.

Arbeiten Sie an einem Tisch, der eine freie Fläche hat und wenig Möglichkeiten zur Ablenkung bietet.

Nehmen Sie sich Sie zu Beginn Ihrer Arbeit zwei oder drei Minuten Zeit, um die drei wichtigsten Aufgaben zu notieren, die Sie am jeweiligen Tag erledigen möchten. Um das eventuell anfänglich geringe Aktivitätslevel zu überwinden, und sich nicht in kleinen Aufgaben oder Emailbeantwortungen  zu „verzetteln“, beginnen Sie mit der Ihnen unangenehmsten Aufgabe.

Notieren Sie sich außerdem jeden Tag kurz Ihre erledigten Aufgaben wie auch die Zeiten, in denen Sie am Schreibtisch aktiv tätig sind. So erhalten und behalten Sie einen Überblick und können realistisch einschätzen, was Sie geschafft haben.

Tauschen Sie mit Ihrem Partner die vereinbarten Tageszeiten und damit zusammenhängenden Aufgaben tages- oder wochenweise, um auch hier einen Ausgleich und das Gefühl von Fairness abzusichern.

Viel Erfolg & bleiben Sie gesund!

Eltern in der Corona-Krise: Die Tage strukturieren hilft

Die Kita- und Schulschließungen stellen aktuell die meisten Paare und Familien vor unerwartete Herausforderungen.
Verstärkt soll über Online-Systeme der Schulen auch zuhause gelernt werden. Dennoch ist es nicht immer einfach, die „Zwangsferien“ möglichst kurzweilig und gelassen für alle Familienmitglieder zu gestalten, denn Verabredungen mit Freunden sind ebenso wenig möglich, wie Kino- und Theaterbesuche oder die Nutzung von Sportangeboten.

Der NDR hat aus diesem Grund sein Radioangebot mit Extra-Ausgaben von Kindersendungen stark ausgeweitet. Auch in der ARD Audiothek und als Podcast bietet der NDR zahlreiche Bildungs- und Wissensangebote für Kinder und Familien an. Hier werden Themen aufgegriffen, die gleichzeitig für den Schulunterricht relevant und dabei unterhaltsam sind.

Die tägliche Sondersendung aus der „Mikado“-Redaktion wird vor allem für Kinder ausgestrahlt, die am Vormittags (noch) keine Hausaufgaben erhalten haben. Kinder (und Eltern) haben die Möglichkeit, sich zwischendurch mit Hörspielen, u.a. von Cornelia Funke, und abwechslungsreichen Wissensangeboten zu beschäftigen. Die Extra-Ausgabe von „Mikado“ wird täglich montags bis freitags von 9.00 bis 13.00 Uhr auf NDR Info gesendet. Das Programm ist im Digitalradio DAB+ zu empfangen, über die NDR App oder im Internet.

Für ältere Schülerinnen und Schüler sind die Sendungen aus der Rubrik Wissenschaft und Bildung bei NDR Info zu empfehlen.

Diese und weitere Angebote des NDR können Eltern dabei behilflich sein, die Vormittage mit ihren Kinder zu strukturieren und in den kommenden Wochen auch zu rhythmisieren. Struktur und Rhythmus gelten als wesentliche Faktoren für gemeinsame Stressbewältigung in Familien – sicher auch in diesen turbulenten Tagen.

Untreue und Affären – ist Monogamie noch zeitgemäß?

In aktuellen wissenschaftlichen Studien geben beinahe 90% der Befragten an, Treue in Partnerschaft noch immer als einen essentiellen Wert zu verstehen. Doch ist Monogamie in aktuellen Zeiten – u.a. vor dem Hintergrund beständig hoher Zahlen an Außenbeziehungen und Affären wie auch einem florierenden kommerziellen Markt, der um dieses Phänomen herum entsteht, noch zeitgemäß?

Die aktuelle Ausgabe der ZEIT widmet sich diesem Thema von verschiedenen Seiten und stellt erkenntnisreiche Kontroversen in den Mittelpunkt.

 

Blog-Tipp für Paare

paarlife – ist ein wissenschaftlich fundiertes und auf Wirksamkeit überprüftes Stress- und Kommunikationstraining für Paare. Entwickelt wurde dieses Programm bereits vor 21 Jahren vom erfahrenen Paarforscher und Experten für Paarberatung und Paartherapie Guy Bodenmann. Das Training der Universität Zürich unterstützt Paare bei der gemeinsamen Stressbewältigung im Alltag und einer gelingenden Kommunikation unter Stress.
Eine Vielzahl von Studien zeigt nach dem Training und der Anwendung dort gelernter Tools positive Effekte – sowohl in Bezug auf die Zufriedenheit als auch die Kommunikation und Problemlösung in der Partnerschaft. Zudem lassen sich deutliche Verbesserungen in der gemeinsamen Stressbewältigung feststellen.

Neben weiteren Informationen zu dem Stresstraining für Paare, lizenzierten Anbietern in der Schweiz und Deutschland sowie Trainingsterminen, finden Sie auf der Homepage des Programms auch einen Blog mit informativen Beiträgen für Paare.

Als Verantwortliche für das renommierte Paartraining in Deutschland beantworte auch ich Ihnen gerne Fragen. Schreiben Sie mir oder rufen Sie mich an.

 

Krach zu Weihnachten – Erste Hilfe Tipps für Paare

Schon zu Beginn meiner Arbeit mit Familien und Paaren vor 20 Jahren fiel mir auf, dass es häufig gerade über die Weihnachtsfeiertage zu Auseinandersetzungen und Konflikten kommt.
Dass die Ursachen hierfür häufig in einem besonders hohen Stresslevel in der Vorweihnachtszeit,  überhöhten Erwartungen an die Festtage oder bereits schwelenden Konflikten (auch mit der Familie des Partners) liegen, wurde in Blogartikeln der Vorjahre (Archiv) ausführlich beschrieben.

Den häufigsten Fehler, den Paare in besonders angespannten Konfliktsituationen machen: Sie wollen trotz einer immer weiter voranschreitenden Aufschaukelung, den Konflikt klären oder beilegen – wegen Weihnachten, der Kinder und dem Wunsch, dass es doch noch harmonisch wird. Nicht zuletzt kann es aber auch an Festtagen darum gehen, uneingeschränkt recht haben und bekommen zu wollen. Dabei manövrieren sich die Partner meist in immer tiefere Eskalationsspiralen. Aus diesen finden sie oftmals stundenlang nicht heraus. Schließlich kann es zu massiven Eskalationen, mit verbaler oder körperlicher Gewalt kommen, tagelangen Anspannungen oder gar Trennungsbeschlüssen.

Was Sie tun können, wenn es tatsächlich knallt, lesen Sie in den nachfolgenden Erste Hilfe Tipps für Paare.

Strittige Eltern

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Sie konnten trotz aller Bemühungen einen Streit oder eskalierenden Konflikt nicht verhindern? Dies ist bedauerlich, aber in diesem Moment nicht zu ändern. Akzeptieren Sie, dass es zum Streit gekommen ist und unterbrechen Sie ihn. Unterbrechen heißt nicht, sich mit verletztenden Worten, murmelnden Beleidigungen oder Vorwürfen zurückzuziehen. Unterbrechen bedeutet vielmehr, sich selbst die Zeit zu geben, abzukühlen und zu einem späteren Zeitpunkt ein erneutes, konstruktives Gespräch zu führen.
Ohne Zweifel fordert dieses Vorgehen eine Menge Selbstdisziplin und Emotionsregulation. Manchen Paaren hilft es, in diesen Momenten an ihre Kinder zu denken – denn sie lernen von ihren Eltern und Familien, wie man mit Konflikten und unangenehmen Gefühlen umgeht.

Die eigene Überreizung wahrzunehmen und die Akzeptanz eines Streits sind wesentliche Schritte, mit denen Sie zur Deeskalation beitragen können. Übernehmen Sie Eigenverantwortung für die Situation und erwarten Sie diese nicht zuerst vom Partner. Beruhigen Sie sich selbst mit „neutralisierenden“ Gedanken, wie:
„Das passiert vielen Paaren in diesen Tagen. Wir sind damit nicht allein.“
„Je früher wir uns jetzt beide beruhigen, um so eher können wir wieder aufeinander zugehen.“
„Auch Weihnachten können Missverständnisse passieren. Wir werden sie später aufklären.“

Wesentlich ist neben der rechtzeitigen Unterbrechung, dass diese als „Notfallsicherung“ verstanden wird. Das heißt, diese Strategie sollte nur dann genutzt werden, wenn eine Klärung ohne weitere Aufschaukelungen (für einen oder beide Partner) nicht mehr möglich ist.  Werden Konflikte wiederholt zu früh von einem Partner unterbrochen, werden ernsthafte Auseinandersetzungen und Diskurse verhindert, obwohl diese für die gemeinsame Partnerschaftsentwicklung essentiell sind.

Ebenfalls grundlegend ist es in Konfliktsituationen, dass derjenige, der den anderen um eine Unterbrechung bittet, den anderen Partner dafür nicht verantwortlich macht. Dies würde den Streit nur noch mehr anheizen. Drücken Sie stattdessen aus, dass es Ihnen in diesem Moment schwer fällt, die Auseinandersetzung fortzuführen, da Sie z.B. sehr wütend sind oder es schwierig für Sie ist, den anderen aussprechen zu lassen und ihm zuzuhören. Bleiben Sie bei sich und Ihren Emotionen, statt Vorwürfe oder Anklagen zu formulieren.

Vielen Paaren erleichtert es, eine Pause oder „Auszeit“ zu akzeptieren, wenn Sie voher miteinander die Regel vereinbaren, dass derjenige, der um eine Unterbrechung bittet, wieder auf den anderen zukommt, sobald er sich ausreichend beruhigen konnte. Das kann einige Minuten dauern, manchmal auch einige Stunden oder eine Nacht. Abhängig ist dies zumeist davon, wie weit die Eskalation schon vorangeschritten und wie relevant die Situation für die einzelnen Partner war.
Akzeptieren Sie die Zeit, die der Partner braucht, auch wenn es Ihnen schwer fällt. Vermeiden Sie, den anderen zu drängen oder zu früh, mit noch angeheizten Gefühlen, wieder in einen sich verschärfenden Streit zu gelangen.

Je früher und konstruktiver Sie einen Streit unterbrechen können, desto einfacher ist es in den meisten Fällen, wieder aufeinander zuzugehen. Auch wenn sich ein Konflikt über die Festtage nicht unmittelbar klären lässt, versuchen Sie ihn erst einmal gedanklich zu „parken“ und mit Ihren Kindern und Familien die Weihnachtfeiertage möglichst angenehm zu gestalten.

Besprechen Sie Ihre partnerschaftlichen Strategien im Umgang mit Konflikten – auch über die Feiertage – möglichst im Vorfeld. Sie können diese dann in Akutsituationen gemeinsam einfacher umsetzen.

Des Weiteren empfehle ich, über die Festtage keine übereilten Impulsentscheidungen zu treffen, die Sie später eventuell bedauern. Prüfen Sie lebensverändernde Entscheidungen stets und treffen Sie frühestens in der zweiten Januarwoche weitreichende Beschlüsse.

Ich wünsche allen Lesern gelassene Weihnachts- und Festtage!

 

Zeit für Kinder: Beliebte Kinderbücher im Dezember

Die kühle Jahreszeit wie auch die Vorweihnachts- und Festtage sind ideale Voraussetzungen, um Kindern Geschichten vorzulesen oder gemeinsam mit ihnen zu lesen. Eingekuschelt auf dem Sofa mit Zeit – eines der besten Geschenke, dass Eltern Kindern im Vorlesealter zwischen zwei und acht Jahren machen können.

Viele Eltern unterschätzen jedoch die positiven Auswirkungen dieses gemeinsamen Tuns.  So lesen laut einer aktuellen Studie der `Stiftung Lesen` noch 32 Prozent aller Eltern in Deutschland ihren Kindern im Vorlesealter selten oder gar nicht vor. Dabei lesen Mütter ihren Kindern häufiger vor als Väter; berufstätige Mütter häufiger als nicht berufstätige (Vorlesestudie 2019; Stiftung Lesen et al.)

Insbesondere das dialogische Vorlesen fördert den Austausch zwischen Eltern und Kindern, was deren Verbundenheit zusätzlich fördern kann. Darüber hinaus sind Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, deutlich stärker motiviert, selbst lesen zu lernen und verfügen über ein ausgeprägteres Sprachvermögen.

Für Eltern oder Großeltern, die noch ein passendes Buch für die Festtage suchen, empfehle ich nachfolgende Kinderbücher.
Für Kinder zwischen 3 und 5 Jahren:
Ada Bailey: Herr Bär rettet Weihnachten; BoD – Books on Demand.

Für Kinder ab 4 Jahren:
Cee Neudert: Henri und Henriette feiern Weihnachten; Thienemann Verlag.

Für Kinder ab ca. 6 Jahren:
Astrid Lindgren und Anne Kristin zur Brügge: Weihnachten mit Astrid Lindgren: Die schönsten Geschichten von Pippi Langstrumpf, Michel, Madita, den Kindern aus Bullerbü u. a.; Oetinger Verlag.

Für Kinder ab ca. 8 Jahren:
Sabine Städing: Petronella Apfelmus: Mein weihnachtliches Back- und Bastelbuch; Boje Verlag.

Margit Auer: Die Schule der magischen Tiere: Eingeschneit! Ein Winterabenteuer; Carlsen Verlag.

Viel Freude beim Vorlesen und Lesen & eine schöne Weihnachtszeit!

Herausforderung Lebensmitte

Für viele Frauen und Männer sind die mittleren Lebensjahre eine Zeit veränderungsbedingter Herausforderungen. Durch die zunehmende Selbstständigkeit der Kinder sind Eltern und Paare wieder mehr auf sich fokussiert, ziehen Bilanz und müssen sich auf neue Lebensinhalte und -ziele ausrichten. Die Trennungs- und Scheidungswahrscheinlichkeit steigt in dieser Lebensphase deutlich an. Zudem erkranken und sterben in dieser Zeit vermehrt Menschen im nahen Umfeld. Schwierige Lebenssituationen treten somit im zunehmendem Alter komprimierter auf.
Hinzukommen körperliche und hormonelle Veränderungen. Insbesondere die Verschiebung der Sexualhormone bewirkt neben körperlichen auch psychische Beschwerden. Bei Frauen sind diese deutlich stärker als bei Männern ausgeprägt.

Aktuelle Untersuchungsergebnisse einer verhaltenstherapeutischen und -medizinischen Studie der Universität Zürich zeigen, dass es gerade in der Lebensmitte von Frauen oftmals zu Stimmungsschwankungen, Ängsten, despressiven Episoden und damit auch Selbstwerteinbußen kommen kann. Diese Veränderungen können mit Schlafstörungen und Hitzewallungen verbunden sein.
In Lebensphasen mit hormonellen Veränderungen haben Frauen insgesamt ein höheres Risiko an einer Depression zu erkranken. Gleichzeitig verdeutlicht die Studie, dass Frauen sehr unterschiedlich auf hormonelle Veränderungen reagieren und die Ausprägungen der genannten Symptome stark schwanken.
Bei Männern über dem vierzigsten Lebensjahr verändern sich die Sexualhormone insgesamt moderater und kontinuierlicher. Für sie sind psychosoziale Faktoren, aber auch Lust- und Erektionsstörungen entscheidender.

Die Forscherinnen Süss und Willi empfehlen ableitend aus ihren bisherigen Ergebnissen, sich bei anhaltenden Beschwerden möglichst frühzeitig Unterstützung zu organisieren. Zudem braucht es eine höhere Bewusstheit, auch von Betroffenen und Angehörigen, dass psychische Erkrankungen auch mit hormonellen Veränderungen zusammenhängen können. Statt beispielsweise Depressionen vorschnell mit Psychopharmaka zu behandeln, ist es oftmals sinnvoller in Therapien an die Lebenssituation angepasste Denk- und Verhaltensmuster (z.B. bei Schlafstörungen) zu entwickeln.

Nachfolgende Faktoren können insgesamt dabei unterstützen, die Herausforderungen der Lebensmitte erfolgreich zu bewältigen:

  • eine optimistische Grundhaltung (auch diese lässt sich in Therapien bis zu einem bestimmten Grad erlernen)
  • körperliche und stressausgleichende Aktivitäten
  • sich in der Sexualität stärker auf positive und momentane Möglichkeiten konzentrieren statt auf Vergleiche mit vorherigen Lebensphasen
  • sich selbst realistische und dem Alter entsprechende Ziele setzen

Anregungen zu diesem Blog aus UZH magazin 3/2019:
R. Nickl & Gull, T. (2019). Auf der Achterbahn (S. 52-57).