Archiv der Kategorie: Veränderung

Meine Empfehlung: Wissenswerter Beziehungs-Podcast

Mein seit über drei Jahrzehnten in der Paartherapie tätiger und geschätzter Kollege Oskar Holzberg hat gemeinsam mit seiner Frau Claudia und der BRIGITTE-Ressortleiterin Nikola Haaks informative wie auch aufschlussreiche Podcast-Beiträge erstellt. In diesen können interessierte Hörer/innen mehr darüber erfahren, was Paare langfristig verbindet und was Beziehungen oftmals auch scheitern lässt. Dabei geht es um eine stimmige Mischung aus Themen wie Kommunikation, Teufelskreise im Streitverhalten, Bindung, Sexualität und Commitment.

Der zweite und aktuellste Beitrag der Reihe „Paaradox – der Beziehungs-Podcast“ wurde am 12.10.2020 veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht das Thema „Kommunikation: Warum wir uns nicht wortlos verstehen“. Erhältlich sind die Beiträge über zahlreiche Podcast-Apps oder über diesen Internetlink.

Auch für Väter ist die Corona-Krise eine Belastungsprobe

„Fairness und Gerechtigkeit“ ist eines der häufigsten Themen in Paarberatung und Paartherapie. Schließlich müssen die Partner in kaum einem anderen Lebensbereich so häufig (neu) miteinander aushandeln, wie workload und mental workload im sich stetig verändernden Alltag gemanaget und dafür aufgeteilt werden können. Versäumen die Partner dies im Sog des Alltags dauerhaft, kann es zu ungewollten Rollenfestlegungen kommen, die zu Unzufriedenheiten und Frust auf beiden Seiten führen.

In Zeiten der Coronapandemie werden die Herausforderungen für Familien, vielfach jedoch für Mütter hervorgehoben. Es seien die Mütter die am Rande von Nervenzusammenbrüchen stünden, da sie die spannungsvollen Aufgaben zwischen Kinderbetreuung, Homeschooling, Haushalt und (Online-)Berufstätigkeit zu überfordern drohen. Doch was ist mit den Vätern? Und birgt die Corona-Krise eventuell Chancen für neue Modelle von Arbeit und Familie? Erfahren Sie in diesem aktuellen SWR-Beitrag mit zwei Videopodcasts mehr.
Bleiben Sie miteinander im Gespräch!

 

Warum To-Do-Listen während des Lockdowns oftmals Selbstbetrug sind

Der Lockdown seit Mitte März führt für Viele gezwungenermaßen zu mehr Zeit in den eigenen vier Wänden. Abgesehen von Eltern mit kleinen Kindern betrachten die Meisten diese Zeit des „Runterfahrens“ und eingeschränkter sozialer Kontakte auch als Zeit für die Erledigung von Dingen, die schon seit Monaten und manchmal Jahren auf der eigenen To-Do-Liste stehen. Endlich mal den Keller oder Dachboden aufräumen, tägliche Sporteinheiten, mit alten Freunden sprechen, den Garten umgestalten oder das Wohnzimmer streichen….. Der Kreativität scheint hier derzeit keine Grenze gesetzt.

Sicher, einige dieser Vorhaben lassen sich umsetzen. Aber eben nur einige. Warum zu lange To-Do-Listen und damit zusammenhängende Vorsätze eher „Selbstbetrug“ und unrealistisch sind, lesen Sie in diesem Artikel einer junger Journalistin der Süddeutschen Zeitung.

Gedanken und Einsichten

Don´t ever make decisions based on fear. Make decisions based on hope and possibility.
Make decisions based on what should happen, not what shouldn´t.

(Michelle Obama)

Herausforderung Lebensmitte

Für viele Frauen und Männer sind die mittleren Lebensjahre eine Zeit veränderungsbedingter Herausforderungen. Durch die zunehmende Selbstständigkeit der Kinder sind Eltern und Paare wieder mehr auf sich fokussiert, ziehen Bilanz und müssen sich auf neue Lebensinhalte und -ziele ausrichten. Die Trennungs- und Scheidungswahrscheinlichkeit steigt in dieser Lebensphase deutlich an. Zudem erkranken und sterben in dieser Zeit vermehrt Menschen im nahen Umfeld. Schwierige Lebenssituationen treten somit im zunehmendem Alter komprimierter auf.
Hinzukommen körperliche und hormonelle Veränderungen. Insbesondere die Verschiebung der Sexualhormone bewirkt neben körperlichen auch psychische Beschwerden. Bei Frauen sind diese deutlich stärker als bei Männern ausgeprägt.

Aktuelle Untersuchungsergebnisse einer verhaltenstherapeutischen und -medizinischen Studie der Universität Zürich zeigen, dass es gerade in der Lebensmitte von Frauen oftmals zu Stimmungsschwankungen, Ängsten, despressiven Episoden und damit auch Selbstwerteinbußen kommen kann. Diese Veränderungen können mit Schlafstörungen und Hitzewallungen verbunden sein.
In Lebensphasen mit hormonellen Veränderungen haben Frauen insgesamt ein höheres Risiko an einer Depression zu erkranken. Gleichzeitig verdeutlicht die Studie, dass Frauen sehr unterschiedlich auf hormonelle Veränderungen reagieren und die Ausprägungen der genannten Symptome stark schwanken.
Bei Männern über dem vierzigsten Lebensjahr verändern sich die Sexualhormone insgesamt moderater und kontinuierlicher. Für sie sind psychosoziale Faktoren, aber auch Lust- und Erektionsstörungen entscheidender.

Die Forscherinnen Süss und Willi empfehlen ableitend aus ihren bisherigen Ergebnissen, sich bei anhaltenden Beschwerden möglichst frühzeitig Unterstützung zu organisieren. Zudem braucht es eine höhere Bewusstheit, auch von Betroffenen und Angehörigen, dass psychische Erkrankungen auch mit hormonellen Veränderungen zusammenhängen können. Statt beispielsweise Depressionen vorschnell mit Psychopharmaka zu behandeln, ist es oftmals sinnvoller in Therapien an die Lebenssituation angepasste Denk- und Verhaltensmuster (z.B. bei Schlafstörungen) zu entwickeln.

Nachfolgende Faktoren können insgesamt dabei unterstützen, die Herausforderungen der Lebensmitte erfolgreich zu bewältigen:

  • eine optimistische Grundhaltung (auch diese lässt sich in Therapien bis zu einem bestimmten Grad erlernen)
  • körperliche und stressausgleichende Aktivitäten
  • sich in der Sexualität stärker auf positive und momentane Möglichkeiten konzentrieren statt auf Vergleiche mit vorherigen Lebensphasen
  • sich selbst realistische und dem Alter entsprechende Ziele setzen

Anregungen zu diesem Blog aus UZH magazin 3/2019:
R. Nickl & Gull, T. (2019). Auf der Achterbahn (S. 52-57).

Gewohnte Verhaltensmuster unterbrechen

Einige Menschen haben eigene Verhaltensweisen schon so stark verinnerlicht, dass sie diese mit Eigenschaften von sich verbinden und sie nicht mehr als Verhaltensmuster wahrnehmen. Andere sind sich ihrer Reaktionen auf Stress und Konflikte bewusst, können diese nahezu automatisierten Muster jedoch in emotional aufwühlenden Momenten nicht oder nur schwer kontrollieren.

Die Gründe hierfür finden sich auf mehreren Ebenen. Oftmals sind diese Muster un- oder halbbewusst bereits im Kindes- und Jugendalter am Modell (z.B. eines Elternteils) erlernt und somit vertraut geworden. Manche Reaktionsweisen waren in einigen vorherigen Phasen des Lebens eventuell auch nützlich; führen aber in aktuellen Lebenssituationen mit dem Partner oder den Kindern zu destruktiven Spiralen.
Nicht zuletzt vermitteln uns routinierte Reaktionswege und Stressreaktionen Sicherheit. Verhaltensänderungen sind zuerst nicht nur unbequem, sie sind in den meisten Fällen mit unangenehmen Gefühlen verbunden, wie z.B. Unsicherheit oder Schuld.

Wiederholt stellen Verhaltens- und Stressforscher, nicht zuletzt auch ich in Paarberatung und Paartherapie fest, dass es für Veränderungen zunächst beharrliche Wiederholungen der neuen Muster braucht. Sich dabei den neuen und meist unangenehmen Emotionen zu stellen, kann eine der größten Herausforderungen für die eigene Entwicklung  sein – und damit auch die Übernahme von Eigenverantwortung.