Archiv für den Monat: August 2012

Urlaubsbilanz – Stress und Frust statt gemeinsamer Erholung?

Lange sehnen wir die Urlaubstage herbei. Neben Sonne, Erholung und Abschalten vom Berufsstress freuen wir uns auch auf mehr Zeit für die Familie und den Partner. Nicht selten schlagen sich die Anspannungen und Stressbelastungen der letzten Monate aber schon beim Kofferpacken und negativer Stimmung zwischen den Partnern während der Anreise in den Urlaub nieder. Die gereizte Stimmung hält dann häufig auch während der Urlaubstage an. Dabei sollte es doch so schön werden… Abseits vom Alltag treten zusätzlich oft noch vor sich hingeschobene oder verdrängte Beziehungskonflikte hervor. Ungefähr zwei Drittel aller Paare geben an, während des gemeinsamen Urlaubs mehrmals heftig zu streiten und mehrere Studien belegen, dass sogar der Scheidungsentschluss bei jedem dritten Paar im Urlaub getroffen wird. Dass sich unsere Erwartungen an den Urlaub nicht erfüllen hat mehrere Gründe. Einerseits kann es sich um äußere Gründe handeln, wie z.B. den zu weit abseits gelegenen Urlaubsort, eine Unterkunft in der Nähe von einer Baustelle, Jetlag oder Klimaumstellungen. Wir alle haben schon die Erfahrung gemacht, dass die Realität oft anders aussieht als es in Reiseprospekten suggeriert wird. Andererseits gibt es paarinterne Gründe – Gründe also, die in der Partnerschaft selbst liegen. Hier handelt sich häufig um zu hohe Erwartungen an den Partner oder die Vorstellung, der Urlaub würde endlich die Möglichkeit bieten, endlich wieder mehr Zeit für Zweisamkeit zu finden, Konflikte hinter sich zu lassen oder die fehlende Nähe zum Partner wiederherstellen zu können. Nicht selten nehmen Paare ihre Probleme und die über die vergangenen Wochen und Monate entstandenen Verletzungen und Enttäuschungen mit in den Urlaub. Kommen vor Ort schließlich weitere Enttäuschungen hinzu, ist der Frust vorprogrammiert und Situationen eskalieren schnell. Was Sie anders machen können Ziehen Sie gemeinsam Urlaubsbilanz und sprechen Sie darüber, was in diesem Jahr gut gelaufen ist und was Sie sich für die Gestaltung des nächsten Urlaubs anders oder zusätzlich wünschen. Vor Ihrem nächsten Urlaub sollten Sie sich dann noch einmal über Ihre aktuellen Vorstellungen und Bedürfnisse austauschen, denn Wünsche können sich im Verlauf der Zeit ändern. Brauchen Sie eher Möglichkeiten der Entspannung oder möchten Sie die Urlaubstage aktiv gestalten? Versuchen Sie gemeinsam ein Urlaubsziel zu finden, das den Wünschen beider Partner bzw. der gesamten Familie gerecht wird bzw. in dem sich auch unterschiedliche Ansprüche vereinen lassen. Seien Sie kompromissbereit! Häufig fahren Paare schon gestresst in den Urlaub, da ein entspannter Übergang zwischen Alltagsleben und Ferienzeit nicht möglich scheint. Da unsere Urlaubstage begrenzt sind, wollen wir die Urlaubstage verständlicherweise auch möglichst am Urlaubsort nutzen. Planen Sie aber stattdessen vor der Abreise noch einen oder zwei Tage Zeit ein, um schon einmal länger zu schlafen, möglicherweise noch dringende Dinge vor dem Urlaub erledigen und in Ruhe packen zu können. Sie schaffen damit das Fundament für einen entspannten Start in die Ferien und es wird Ihnen so möglich, sich neuen Eindrücken am Urlaubsort zu öffnen. Enttäuschungen und Missverständnisse lassen sich auch im Urlaub nicht immer vermeiden. Haben Sie realistische Erwartungen an Ihren Partner und die gemeinsamen Urlaubstage und sprechen Sie Unstimmigkeiten gegebenenfalls rechtzeitig an. Denken Sie daran: Unausgesprochene oder heimliche Wünsche werden unheimlich selten erfüllt! Lassen Sie ausreichend Freiräume für Spontanität und eventuelle Planänderungen in Ihrer Urlaubsplanung. Das heißt, sehen Sie von einem zu detailliert durchgeplanten Urlaubsprogramm ab und überfrachten Sie die gemeinsamen freien Tage nicht mit mehreren festgelegten Tagesausflügen, sportlichen Aktivitäten oder Sightseeing-Touren u.ä. Lassen Sie einander Freiraum: Es kann der Partnerschaft gut tun, wenn Sie auch mal ein paar Stunden eigenen Interessen nachgehen (Bummeln, am Strand liegen, Angeln, Schwimmen oder Joggen gehen). Wenn Sie Kinder haben, wechseln Sie sich in der Betreuung der Kinder ab und schaffen Sie Ihrem Partner/Ihrer Partnerin wechselseitig etwas Zeit für sich. Tragen Sie auch auf diesem Weg Sorge für Fairness in Ihrer Partnerschaft. Planen Sie aber auch ausreichend Zeit für gemeinsame Aktivitäten und Regeration ein. Urlaub ist eine wichtige Zeit, um positive Erlebnisse miteinander zu teilen, gemeinsame positive Erinnerungen zu schaffen, welche in schwierigen Zeiten als „Stresspuffer“ dienen. Schieben Sie Ihre Probleme nicht bis zum Urlaub auf! Eine Reise zur Überwindung einer Krise zu buchen, ist äußerst selten hilfreich. Insbesondere dann, wenn Probleme und deren Lösung bis zum Urlaub aufgeschoben oder „vertagt“ werden sollen. Im Urlaub haben die Partner zwar mehr Zeit, um sich miteinander auseinanderzusetzen, was sich aber eventuell über Monate oder länger aufgestaut hat, ist innerhalb weniger Tage nicht ausreichend zu klären. Der damit verbundene hohe Erwartungsdruck führt stattdessen oftmals zu Sprachlosigkeit und der Feststellung, wie wenig man einander noch zu sagen hat. Sollten Sie den Urlaub nutzen wollen, um einige kleinere Probleme gemeinsam zu bewältigen bzw. Lösungen dafür suchen zu wollen, sollten Sie diese Gespräche zeitlich klar begrenzen. Wenn es Ihnen gelingt, nach einem Gespräch – zu möglichst immer nur einem Thema – einen klaren Abschluss zu finden, können Sie sich anschließend auch wieder besser auf gemeinsame Erlebnisse einlassen, welche die Verbundenheit in der Partnerschaft festigen. Haben sich die Konflikte in Ihrer Beziehung aber bereits verfestigt oder die Ursachen für eine Krise sind tiefgreifender, könnten Sie darüber sprechen, was Ihnen in der Partnerschaft fehlt und gemeinsam überlegen, wie es Ihnen nach dem Urlaub – z.B. durch die Unterstützung eines Beraters/einer Beraterin – gelingen kann, diese gemeinsam zu bewältigen. Ist die Situation stark angespannt kann es – trotz Urlaubszeit – hilfreich sein, zeitweise getrennte Wege zu gehen, um Aggressionen oder Eskalationen und damit auch weitere Kränkungen und Verletzungen zu vermeiden. Vergessen Sie nicht, sich auch im Alltag regelmäßig Zeit für Zweisamkeit und positive Erlebnisse zu schaffen. Gemeinsamkeiten stärken Ihre Verbundenheit und geben Ihnen Kraft für die Herausforderungen des alltäglichen Zusammenlebens.