Archiv für den Monat: Oktober 2012

Vertrauensbruch durch Untreue – hat unsere Partnerschaft noch eine Chance? (Teil 1)

Ist das Vertrauen in einer Beziehung gebrochen steht man zumeist vor der Entscheidung gehen oder bleiben. Für diese Entscheidung sollte man sich vor allem ausreichend Zeit nehmen und darüber bewusst sein, dass die Wiedererlangung von Vertrauen nicht nur Geduld, sondern auch Verständnis und Mut erfordert. Denn Vertrauen zurückgewinnen ist keine „Alles-oder-Nichts-Lösung“. Wie sollte ich mich im Fall eines Vertrauensbruchs verhalten? Nach dem ersten Schock sollten Sie keine übereilte Entscheidung für eine Trennung oder Scheidung treffen, sondern diese mit etwas Abstand und in Ruhe abwägen. Auch eine vorübergehende räumliche Trennung kann dabei hilfreich sein, etwas Klarheit über Ihre Partnerschaft zu gewinnen und die Beziehung nicht nur aus der Perspektive des oder der Betrogenen zu sehen. Um einen unbedachten Trennungsentschluss zu vermeiden, klären Sie u.a. folgende Fragen für sich:
  • Was verliere ich durch die Auflösung dieser Beziehung? Bitte stellen Sie sich diese Frage nicht nur rein rational, sondern vor allem auch emotional.
  • Was habe ich investiert und was wird mir fehlen?
  • Welche Verantwortung trage ich selbst für die derzeitige Situation?
  • Was genau erhoffe ich mir von einer Trennung?
Sofern es hilfreich für Sie ist, beziehen Sie Menschen ein, die Sie und ggf. Ihren Partner/Ihre Partnerin gut kennen und zu denen Sie Vertrauen haben. Im Austausch mit Freunden kann es Ihnen leichter fallen, einen objektiven Blick auf die Situation zu gewinnen. Nach einer eventuell vorübergehenden Distanz zum Partner/zur Partnerin ist es in einem nächsten Schritt wichtig, mit dem Partner ins Gespräch zu kommen und über das Geschehene zu sprechen. Im Stillen zu leiden ist alles andere als ratsam. Finden Sie gemeinsam mit Ihrem Partner/Ihrer Partnerin heraus, was zum Vertrauensbruch geführt hat. Gibt es grundsätzliche Differenzen in Ihren Lebens- und Beziehungsvorstellungen? Hatten Sie eventuell zu hohe Erwartungen an den anderen oder gab es Themen, über die Sie beide nicht reden konnten? Gebrochenes Vertrauen kann wieder hergestellt werden. Wichtigste Voraussetzung dafür ist es, dass beide Partner bereit sind, ernsthaft an der Beziehung arbeiten. In diesem Fall, können Sie als Paar sogar gestärkt aus einer solchen Krisensituation herausgehen. Offene Gespräche sind der erste wichtige Schritt, um Vertrauen und Nähe zueinander wieder aufzubauen. Um den Treuebruch verarbeiten zu können, ist man nicht selten der Überzeugung, es wäre hilfreich alle Einzelheiten zum Seitensprung des Partners oder der Partnerin zu wissen. Doch quälen Sie sich nicht unnötig mit kränkenden Details. Auch wenn es anfangs nicht leicht ist, reden Sie stattdessen über Gründe für das verletzende Verhalten Ihres Partners, offene Themen in Ihrer Beziehung und ebenso Bedürfnisse. Bleiben Sie hierbei ehrlich und authentisch, andernfalls lässt sich das Vertrauen nicht wiedererlangen. Es gehört dazu, dass Sie beide auch mit unangenehmen Wahrheiten umgehen– nur so können Sie aus der Krise Positives lernen und sich als Partner auf eine neue und tiefere Weise begegnen. Wie kann ich meinem Partner/meiner Partnerin wieder vertrauen lernen? Eine wesentliche Frage, die sich hierzu stellt, ist, ob Sie Ihrem Partner/Ihrer Partnerin eine neue Chance geben möchten und können. Sicher ist dabei, dass es eine keine Garantie gibt, ob Sie nicht wieder enttäuscht werden oder ob es Ihnen gelingt das Vertrauen in den anderen und Ihre Beziehung zueinander wieder aufzubauen. Wenn Sie der Beziehung eine neue Chance geben wollen, müssen Sie sich entscheiden, Ihrem Partner/Ihrer Partnerin zu verzeihen. Da dies nicht einfach ist, geht hier nicht selten eine rationale der emotionalen Entscheidung voraus. Das heißt, es geht häufig zunächst um die eigene innere Haltung „Ich bin bereit, wieder zu vertrauen oder Vertrauen neu zu lernen.“ Sie müssen sich folglich ein Stück weit auch zwingen, das Geschehene ruhen zu lassen bzw. zu verabschieden. Hilfreich kann es dabei sein, wenn Sie den Blick darauf lenken, warum es sich lohnen könnte Ihrem Partner/Ihrer Partnerin wieder Vertrauen zu schenken. Vergegenwärtigen Sie sich, welche positiven und wertvollen Erfahrungen Sie bereits mit ihm/ihr gemacht haben. Fragen Sie sich: Welche guten Erfahrungen können wir künftig noch machen? Was sind unsere gemeinsamen Ziele? Wenn Sie jedoch merken, dass sie innerlich noch zu stark zweifeln, nehmen Sie sich lieber etwas mehr Zeit zur inneren Klärung. Andernfalls würde es Sie, Ihren Partner/Ihre Partnerin sowie die Beziehung zermürben. Beispielsweise dann, wenn Sie immer wieder hinterfragen, ob es stimmt, was  er/sie behauptet, Sie mit Fehlern Ihres Partners/Ihrer Partnerin rechnen, Anruflisten prüfen und oder Briefe, Emails des anderen lesen, weil sie befürchten, erneut betrogen zu werden. Auf diese Weise lässt sich kein solides Fundament für Vertrauen schaffen. Sie werden Zeit benötigen und nicht zuletzt zahlreiche Situationen, in denen Ihr Wunsch nach Vertrauen durch Ihren Partner/Ihre Partnerin Bestätigung und damit Stärkung findet. Sie sollten deshalb im täglichen Miteinander beobachten, ob die Zusicherungen des anderen mit der Realität übereinstimmen. Vertrauen entsteht vor allem dadurch, dass Worte und Taten sich nicht widersprechen. Erwähnt sei außerdem: Vertrauen muss sich nicht allein Ihr Partner/Ihre Partnerin neu erarbeiten, denn Vertrauen ist immer auch eine Frage des eigenen Selbstwertgefühls. Um einen Treuebruch angemessen bewältigen zu können, müssen sie selbst auch darauf vertrauen, dass sie ein guter Partner und es wert sind, geliebt zu werden. Lesen Sie im nächsten Blog zu diesem Thema: Was kann der Partner tun, um das Vertrauen wieder zu stärken?